Amblygonit

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Amblygonit
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Aby[1]

Chemische Formel (Li,Na)Al[(F,OH)|PO4]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/B.02
VII/B.02-030

8.BB.05
41.05.08.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin[2]
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1[3]
Raumgruppe (Nr.) P1[2] (Nr. 2)
Gitterparameter a = 6,64 Å; b = 7,74 Å; c = 6,91 Å
α = 90,35°; β = 117,33°; γ = 91,01°[2]
Formeleinheiten Z = 4[2]
Zwillingsbildung lamellar nach (100) und (101)
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5,5 bis 6
Dichte (g/cm3) 3,04 bis 3,11
Spaltbarkeit vollkommen nach {100}, gut nach {110}, deutlich nach {011}, undeutlich nach {001}
Bruch; Tenazität muschelig bis uneben
Farbe weiß, blassgelb, rosa, grau, grünlich, bläulich
Strichfarbe weiß
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, Fettglanz, matt
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,577 bis 1,591
nβ = 1,592 bis 1,605
nγ = 1,596 bis 1,613[2]
Doppelbrechung δ = 0,019 bis 0,022[2]
Optischer Charakter zweiachsig negativ[2]
Achsenwinkel 2V = 107 bis 129,5°[2]

Amblygonit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der wasserfreien Phosphate mit fremden Anionen. Es kristallisiert im triklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung (Li,Na)Al[(F,OH)|PO4][4] und entwickelt meist kurze, prismatische Kristalle, aber auch körnige bis massige Aggregate, die entweder farblos oder durch Fremdbeimengungen weiß, grau, rosa, gelblich, grünlich oder bläulich gefärbt sein können.

Etymologie und Geschichte

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Der Name Amblygonit ist eine Zusammensetzung von altgriechisch άμβλύς amblýs, deutsch ‚stumpf‘, und γωνία gōnía, deutsch ‚Winkel‘, und bezieht sich auf die Tatsache, dass Amblygonit in unterschiedlichen Richtungen mit jeweils unterschiedlichen Winkeln, aber verschieden von 90°, spaltet.[2]

Erstmals beschrieben wurde er 1817 von August Breithaupt.

In der alten Systematik der Minerale nach Strunz (8. Auflage) gehört der Amblygonit zur Abteilung der „wasserfreien Phosphate mit fremden Anionen“ und bildet dort mit Griphit, Montebrasit, Natromontebrasit, Tancoit und Tavorit eine Gruppe. Seit der neuen Systematik der Minerale nach Strunz (9. Auflage) ist diese Abteilung jedoch präziser unterteilt nach der Größe der Kationen und das Mineral ist jetzt mit Montebrasit und Tavorit in der Unterabteilung der „wasserfreien Phosphate mit fremden Anionen und ausschließlich mittelgroßen Kationen, (OH, etc.): RO4 „kleinergleich“ 1:1“ zu finden.

Die Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Amblygonit ebenfalls in die Abteilung der „wasserfreien Phosphate“ ein, dort aber in die Unterabteilung „mit Hydroxyl(-gruppen) oder Halogen(en) mit der Zusammensetzung (A B)2 (XO4) Zq“.[5]

Kristallstruktur

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Amblygonit kristallisiert im triklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2 mit den Gitterparametern a = 6,64 Å, b = 7,74 Å und c = 6,91 Å; α = 90,35°, β = 117,33° und γ = 91,01° sowie vier Formeleinheiten pro Elementarzelle und ist isotyp zu Tavorit, d. h. diese beiden Minerale haben die gleiche Kristallstruktur.

Amblygonit ist in seinen optischen Eigenschaften dem Quarz und Albit sehr ähnlich und wird daher öfter mit ihnen verwechselt. Durch einen Flammentest für Lithium (hält man eine Probe in eine Gasflamme sieht man eine helle rote Flamme), seine Dichte und seine ungewöhnliche Spaltbarkeit kann man es von den anderen unterscheiden.

Bildung und Fundorte

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Amblygonit bildet sich vorwiegend in magmatischen Gesteinen und ist daher vor allem in Lithium-Pegmatiten zusammen mit Spodumen, Lepidolith bzw. Zinnwaldit oder in Phosphat-Pegmatiten zusammen mit Apatiten, Triphylin bzw. Monazit zu finden. Häufig sind hier auch Vergesellschaftungen mit Erzmineralen wie Kassiterit und Tantalit-(Mn). Eher selten entsteht Amblygonit aus hydrothermalen Lösungen in Greisen oder Ganglagerstätten.

Fundorte sind unter anderem Laghman in Afghanistan; Córdoba in Argentinien; New South Wales und Western Australia in Australien; Minas Gerais und São Paulo in Brasilien; Henan und Jiangxi in der Volksrepublik China; Chemnitz und Ehrenfriedersdorf in Deutschland; Viitaniemi in Finnland; Manitoba und Nova Scotia in Kanada; Sud-Kivu in der Demokratischen Republik Kongo; Mogok in Myanmar; Utö in Schweden; Böhmen, Mähren und Vernéřov in Tschechien; sowie Black Hills (South Dakota) in den USA.[6] Riesige, massige Aggregate von bis zu 200 Tonnen Gewicht wurden zudem in Keystone (ebenfalls in South Dakota) entdeckt.

Amblygonit ist ein wichtiges Erz zur Gewinnung von Lithium, wird aber auch als Rohstoff in der Keramik-Industrie verwendet.

Als Schmuckstein

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Amblygonite in verschiedenen Schmucksteinschliffen

Amblygonit gehört zu den weniger bekannten Schmucksteinen. Klare Varietäten in Facettenform geschliffen können jedoch den wertvolleren „Edelsteinen“ Goldberyll, Citrin und anderen zum Verwechseln ähnlich sehen. Weitere Verwechslungsmöglichkeiten bestehen mit Apatit, Brasilianit und der grün bis gelblichgrünen Spodumenvarietät Hiddenit.[7]

  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 158
  • Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7. Auflage. Springer Verlag, Berlin / Heidelberg / New York 2005, ISBN 3-540-23812-3, S. 251: Pegmatite als Rohstoffträger
  • Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 627–628
Commons: Amblygonit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Amblygonit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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  1. Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 5. Januar 2023]).
  2. a b c d e f g h Amblygonite bei mindat.org (englisch)
  3. Amblygonite. Webmineral (englisch)
  4. Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. 4. Auflage. Christian Weise Verlag, München 2002, ISBN 3-921656-17-6
  5. New Dana Classification of Anhydrous Phosphates, etc. Containing Hydroxyl or Halogen. Webmineral
  6. Localities for Amblygonite. MinDat (englisch)
  7. Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. 13. Auflage. BLV, München 2002, ISBN 3-405-16332-3, S. 208